Cybersecurity-Beratung digitalisieren: Warum digitale Plattformen Cybersecurity-Beratung nicht ersetzen, sondern wertvoller machen
- David Utrilla Torres

- vor 1 Tag
- 4 Min. Lesezeit
Wenn über die Digitalisierung der Cybersecurity-Beratung gesprochen wird, kommt irgendwann fast automatisch eine Frage auf. Werden digitale Plattformen und KI klassische Beratung irgendwann ersetzen?
Ich glaube nicht!
Wir beschäftigen uns schon länger damit, wie sich Cybersecurity-Beratung digitalisieren lässt, ohne dabei genau das zu verlieren, was gute Beratung ausmacht: Erfahrung, persönliche Gespräche und individuelle Entscheidungen. Unsere Erfahrung der letzten Jahre zeigt für mich eher das Gegenteil. Digitale Plattformen können Cybersecurity-Beratung sogar wertvoller machen, wenn sie dort eingesetzt werden, wo sie wirklich sinnvoll sind.
Genau deshalb haben wir irgendwann angefangen, unser eigenes Beratungsmodell zu hinterfragen.
Warum wir Cybersecurity-Beratung digitalisieren wollten
In vielen Beratungsprojekten haben wir festgestellt, dass ein erheblicher Teil der Arbeit immer wieder nach einem ähnlichen Muster abläuft.
Assessments werden vorbereitet, Informationen erhoben, Reifegrade bewertet, Risiken priorisiert, Reports erstellt und Maßnahmen dokumentiert. Das alles ist notwendig.
Aber muss wirklich jeder dieser Schritte bei jedem Kunden wieder komplett manuell durchgeführt werden?
Für uns war irgendwann klar: Nein.
Gerade standardisierbare Aufgaben lassen sich sehr gut durch eine digitale Plattform unterstützen. Dazu gehören beispielsweise:
Cybersecurity-Assessments
Reifegradbewertungen
Risikoübersichten
Dashboards
Executive- und Management-Reports
Maßnahmenverfolgung
kontinuierliche Statusbewertungen
Das spart nicht nur Zeit. Es sorgt auch dafür, dass Ergebnisse nicht nach Abschluss eines Projekts in einem PDF oder einer Präsentation verschwinden.
Was digitale Plattformen in der Cybersecurity-Beratung leisten können
Ein klassisches Cybersecurity-Assessment liefert häufig eine Momentaufnahme.
Der Kunde erhält einen Bericht mit seinem aktuellen Reifegrad, identifizierten Risiken und empfohlenen Maßnahmen. Einige Monate später ist dieser Bericht aber möglicherweise schon nicht mehr aktuell. Neue Systeme wurden eingeführt. Berechtigungen haben sich verändert. Maßnahmen wurden umgesetzt oder neue Risiken sind entstanden.
Eine digitale Cybersecurity-Plattform kann daraus einen kontinuierlichen Prozess machen. Der Kunde kann jederzeit sehen:
Wo stehen wir aktuell?
Welche Cyberrisiken haben Priorität?
Welche Maßnahmen sind noch offen?
Was wurde bereits verbessert?
Wie entwickelt sich unser Reifegrad?
Aus einer einmaligen Bewertung entsteht damit eine kontinuierliche Sicht auf die Sicherheitslage.
Gute Cybersecurity-Beratung lässt sich nicht automatisieren
Für mich ist aber genauso wichtig, klar zu sagen, wo Digitalisierung ihre Grenzen hat.
Ein Dashboard kann ein Risiko sichtbar machen. Es kann aber nicht entscheiden, wie dieses Risiko unter den konkreten Bedingungen eines Unternehmens behandelt werden sollte. Ein Reifegradmodell kann zeigen, wo eine Organisation heute steht.
Es entwickelt daraus aber noch keine passende Cybersecurity-Strategie.
Und ein automatisch erstellter Management-Report ersetzt kein Gespräch mit einem CIO, CISO oder IT-Leiter.
Strategische Beratung, Architekturentscheidungen, Governance, komplexe Risikobewertungen und Management-Workshops brauchen Erfahrung und Kontext.
Genau dort entsteht aus meiner Sicht der eigentliche Wert eines Beraters.
Vom Cybersecurity-Assessment zum kontinuierlichen Service
Das klassische Projektmodell kennen wahrscheinlich viele Berater in der Cybersecurity:
Assessment bzw. eine IST-Analyse durchführen → Bericht mit Findings → Roadmap - Präsentation → Projektende
Nach sechs oder zwölf Monaten beginnt der Prozess häufig wieder von vorne.
Mit einer digitalen Plattform kann sich dieses Modell verändern:
Assessment → Dashboard → kontinuierliche Bewertung → Maßnahmen → regelmäßige Beratung
Der Unterschied ist größer, als es zunächst klingt. Der Kunde erhält nicht mehr nur einmal im Jahr Transparenz über seine Cybersecurity-Situation. Er kann die Entwicklung kontinuierlich nachvollziehen. Und der Berater muss beim nächsten Termin nicht wieder mit einer neuen Bestandsaufnahme beginnen. Beide Seiten sprechen auf Basis eines aktuellen gemeinsamen Lagebildes darüber, was als Nächstes getan werden sollte.
Wie digitale Services Cybersecurity-Beratung skalierbarer machen
Für uns war noch ein anderer Punkt entscheidend. Das klassische Beratungsgeschäft ist sehr stark an verfügbare Zeit und Ressourcen gekoppelt.
Mehr Umsatz bedeutet meistens, mehr Projekte, mehr Beratungstage oder mehr Mitarbeiter. Das funktioniert, hat aber natürliche Grenzen. Mit digitalen Services lässt sich ein Teil der eigenen Expertise standardisieren und mehreren Kunden gleichzeitig zur Verfügung stellen.
Für Cybersecurity-Berater entstehen dadurch neue Möglichkeiten:
wiederkehrende Umsätze statt ausschließlich Projektgeschäft
langfristigere Kundenbeziehungen
besser planbare Auslastung
standardisierte Assessment-Prozesse
weniger manueller Reporting-Aufwand
mehr Zeit für strategische Beratung
Für mich ist genau das der entscheidende Punkt bei der Digitalisierung von Beratung.
Es geht nicht darum, weniger zu beraten. Es geht darum, weniger Zeit für Aufgaben einzusetzen, die sich sinnvoll standardisieren lassen.

Warum wir unsere eigene Cybersecurity-Plattform entwickelt haben
Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir begonnen, unsere eigene Plattform zu entwickeln. Nicht, weil wir glauben, dass Software Beratung ersetzen kann.
Sondern weil wir glauben, dass sich beides sehr gut ergänzen kann. Assessments und Reifegradbewertungen werden strukturiert durchgeführt. Risiken und Maßnahmen bleiben über Dashboards sichtbar. Entwicklungen können kontinuierlich verfolgt werden. Der Berater bekommt dadurch eine bessere Grundlage für die Gespräche, bei denen seine Erfahrung tatsächlich gebraucht wird.
Für uns bedeutet Digitalisierung deshalb nicht das Ende persönlicher Cybersecurity-Beratung. Im Gegenteil, sie gibt uns die Möglichkeit, unsere Zeit stärker dort einzusetzen, wo wir für den Kunden den größten Mehrwert schaffen.
Fazit: Die Zukunft der Cybersecurity-Beratung ist persönlich und digital
Ich glaube nicht, dass digitale Plattformen gute Cybersecurity-Berater ersetzen werden.
Aber ich bin überzeugt, dass sie verändern werden, wie wir Beratung anbieten.
Weniger Zeit für wiederkehrende Assessments, manuelles Reporting und Statusübersichten. Mehr Zeit für Strategie, Entscheidungen und den persönlichen Austausch mit dem Kunden.
Damit verändert sich auch das Geschäftsmodell. Aus einzelnen Projekten können kontinuierliche digitale Services entstehen. Und aus dem Verkauf von Beratungstagen kann eine langfristige Zusammenarbeit werden.
Für mich liegt genau darin die Zukunft moderner Cybersecurity-Beratung.
Persönliche Expertise kombiniert mit digitalen Services.
Denn echte Skalierung beginnt nicht damit, immer mehr Beratungstage zu verkaufen.
Sie beginnt mit einem Geschäftsmodell, das nicht ausschließlich von der eigenen Zeit abhängig ist.

