Was ist Privileged Access Management, und worin liegt der Unterschied zu Identity & Access Management?
- Charalabos Chassoglou

- 4. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Viele Unternehmen investieren bereits in Identity & Access Management (IAM) und gehen davon aus, dass damit das Thema Zugriffssicherheit vollständig abgedeckt ist. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die größten Risiken nicht bei normalen Benutzerkonten liegen, sondern bei privilegierten Zugängen.
Genau hier setzt Privileged Access Management (PAM) an.
Was ist Privileged Access Management (PAM)?
Privileged Access Management umfasst alle Maßnahmen, Technologien und Prozesse, die darauf abzielen, besonders kritische Zugriffe innerhalb eines Unternehmens zu kontrollieren, zu überwachen und abzusichern.

Dazu zählen insbesondere:
Administratoren wie Domain Admins oder Root Accounts
Service Accounts
technische Systemkonten
privilegierte Cloud-Zugriffe
Notfall- oder Break-Glass-Accounts
Diese Konten verfügen häufig über weitreichende Rechte auf Systeme, Daten und Infrastruktur und stellen daher ein besonders attraktives Ziel für Angreifer dar.
Unterschied zwischen IAM und PAM
Identity & Access Management und Privileged Access Management erfüllen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der IT-Sicherheitsarchitektur.
Identity & Access Management (IAM)
IAM beschäftigt sich mit der Verwaltung von Standardbenutzern und deren Zugriffen:
Benutzerverwaltung und Rollenmodelle
Joiner-Mover-Leaver-Prozesse
Single Sign-On und Multi-Faktor-Authentifizierung
Steuerung von Zugriffsrechten auf Anwendungen und Systeme
Der Fokus liegt darauf, wer Zugriff auf welche Ressourcen erhält.
Privileged Access Management (PAM)
PAM konzentriert sich auf die Absicherung besonders kritischer Zugriffe:
Kontrolle und Verwaltung privilegierter Konten
automatische Passwort-Rotation
Session Monitoring und Aufzeichnung
Just-in-Time-Zugriffe
sichere Verwaltung von Zugangsdaten und Secrets
Der Fokus liegt darauf, wie kritische Zugriffe abgesichert, eingeschränkt und nachvollziehbar gemacht werden.
Warum IAM allein nicht ausreicht
Ein IAM-System stellt sicher, dass Benutzer grundsätzlich korrekt verwaltet werden. Dennoch bleiben oft zentrale Sicherheitslücken bestehen:
Administratorzugänge sind unzureichend geschützt
Service Accounts werden selten regelmäßig überprüft
privilegierte Zugriffe sind nicht transparent nachvollziehbar
Zugangsdaten werden manuell verwaltet oder geteilt
Diese Schwachstellen werden von Angreifern gezielt ausgenutzt und stellen ein erhebliches Risiko für Unternehmen dar.
Hier nochmal eine visuelle Zusammenfassung:

Ab wann benötigt also ein Unternehmen PAM und wann reicht IAM allein aus?
Identity & Access Management (IAM) bildet die Grundlage für die Verwaltung von Benutzerzugriffen und ist für viele Unternehmen der erste Schritt in Richtung strukturierter IT-Sicherheit.
In einfachen IT-Umgebungen mit wenigen privilegierten Konten und klaren Rollenmodellen kann IAM zunächst ausreichend sein.
Sobald jedoch kritische Zugriffe und erhöhte Berechtigungen ins Spiel kommen, stößt IAM allein jedoch an seine Grenzen.
Der Bedarf für Privileged Access Management entsteht typischerweise in folgenden Situationen:
fehlende Transparenz über privilegierte Konten
steigende Sicherheitsanforderungen oder bevorstehende Audits
Einführung neuer Systeme oder Migration in die Cloud
zunehmende Komplexität der IT-Landschaft
unzureichende Kontrolle über Administratorzugriffe
Sobald privilegierte Zugriffe vorhanden sind, besteht grundsätzlich Handlungsbedarf.
In der Praxis betrifft das nahezu jedes Unternehmen mit folgenden Eigenschaften:
ca. 50+ Mitarbeitenden, wenn mehrere Systeme und Rollen existieren
100+ Mitarbeitenden, wenn IT-Strukturen komplexer und arbeitsteilig werden
verteilten Teams, mehreren Standorten oder Cloud-Nutzung
Zudem entsteht ein klarer Handlungsdruck durch regulatorische Anforderungen, insbesondere in folgenden Kontexten:
ISO 27001 (Zugriffskontrolle, Nachvollziehbarkeit, Least Privilege)
NIS2-Richtlinie (Risikomanagement und Zugriffssicherheit)
BAIT / VAIT / DORA im Finanzsektor
BSI-Grundschutz für öffentliche und kritische Infrastrukturen
DSGVO im Umgang mit sensiblen Daten
branchenspezifische Vorgaben, z. B. im Gesundheitswesen
Gerade in regulierten Branchen ist die Kontrolle privilegierter Zugriffe kein optionales Sicherheitsfeature mehr, sondern eine zentrale Voraussetzung für Auditfähigkeit und Compliance.
Häufiger Fehler bei der Einführung von PAM
Viele Unternehmen beginnen direkt mit der Auswahl und Implementierung eines Tools, ohne vorher eine klare Analyse durchzuführen. Dabei bleibt häufig unklar:
welche privilegierten Konten tatsächlich existieren
wo konkrete Risiken liegen
welche Maßnahmen priorisiert umgesetzt werden sollten
wie das Administrationskonzept aufgebaut ist und gelebt wird
Das führt oft zu ineffizienten Projekten, unnötigen Kosten und Frustration bei allen Beteiligten.
Der richtige Einstieg: PAM-Reifegradermittlung
Ein strukturierter Einstieg beginnt mit einer Bewertung des aktuellen Zustands:
Welche privilegierten Konten existieren im Unternehmen?
Welche Risiken bestehen aktuell?
Wie ist der Reifegrad der bestehenden Prozesse und Systeme?
Welche Maßnahmen haben die höchste Priorität?
Wie wird mit den privilegierten Konten gearbeitet?
Eine PAM-Reifegradermittlung liefert genau diese Transparenz und bildet die Grundlage für eine gezielte und effektive Umsetzung.
Weitere Informationen zu einer PAM-Reifegradermittlung finden Sie hier
Fazit zu diesem Beitrag
Privileged Access Management ist ein zentraler Bestandteil moderner IT-Sicherheitsstrategien. Während IAM den Zugriff organisiert, sorgt PAM dafür, dass kritische Zugriffe kontrolliert und abgesichert werden.
Ohne PAM bleiben wesentliche Sicherheitslücken bestehen, die erhebliche Risiken für Unternehmen darstellen.
Nächster Schritt
Wenn Sie Klarheit über Ihre aktuelle Sicherheitslage gewinnen möchten, ist eine strukturierte Analyse der richtige Einstieg.
Mit einer PAM-Reifegradermittlung erhalten Sie:
Transparenz über privilegierte Konten
eine fundierte Bewertung Ihrer Sicherheitslage
konkrete Handlungsempfehlungen
eine priorisierte Roadmap für die nächsten Schritte
Ein unverbindliches Erstgespräch hilft dabei, den individuellen Bedarf zu klären und mögliche nächste Schritte zu definieren.

CHARALABOS CHASSOGLOU
GESCHÄFTSFÜHRENDER GESELLSCHAFTER UC ADVISORY GMBH


